Manifest der Fraternitas Umbrae
Ihr nennt uns Warlocks.
So nannte man uns, als man uns aussprach wie ein Urteil.
Wir haben den Namen behalten.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus Klarheit.
Man sagte uns, Freiheit sei Ordnung.
Man sagte uns, Ordnung sei Gesetz.
Man sagte uns, Gesetz sei notwendig, weil der Mensch schwach sei.
Wir widersprachen nicht.
Wir verließen nur den Raum.
Denn Freiheit ist kein Zustand, den man gewährt bekommt.
Freiheit ist das, was bleibt, wenn nichts mehr über einem steht.
Wir sind frei, weil wir nichts schulden.
Keinem Tribus.
Keinem Thron.
Keinem Gott, der Erlösung verspricht und Gehorsam meint.
Ihr nennt das Leere.
Wir nennen es Raum.
Man sagte uns, Macht müsse verteilt werden, damit sie erträglich sei.
Man sagte uns, Institutionen seien Schutz.
Man sagte uns, Hierarchien seien notwendig, damit niemand falle.
Und doch fiel euer Höchster.
Und doch faulten eure Institutionen.
Und doch starben eure Götter tausend Tode in euren Gebeten.
Wir lernten daraus.
Wir sind frei, weil wir keine Ordnung verehren,
die wir nicht selbst durchsetzen können.
Wir folgen keiner Funktion.
Keinem Amt.
Keiner Struktur, die uns sagt, wer wir sein dürfen.
Wir folgen nur der Kraft.
Und der Wahrheit, die sie offenbart.
Ihr sagt, wir seien zersplittert.
Föderal.
Chaotisch.
Und doch sind wir hier.
Nach mehr als einundsiebzigtausend Jahren.
Während eure Reiche sich häuten mussten, um zu überleben.
Wir zerfallen nicht, weil uns nichts bindet, das brechen kann.
Ihr habt Gesetze.
Wir haben Konsequenzen.
Ihr habt Dekrete.
Wir haben Entscheidungen.
Ihr habt Ordnung.
Wir haben Willen.
Ihr fragt, warum wir erschaffen.
Warum wir formen, was lebt.
Warum wir Körper, Geist und Materie nicht trennen.
Weil Trennung Kontrolle ist.
Und Kontrolle ist die Lüge der Schwachen.
Wir sind frei, weil wir den Preis kennen.
Freiheit ist kein Ideal.
Sie ist kein Recht.
Sie ist kein Trost.
Freiheit ist Einsamkeit.
Freiheit ist Verantwortung ohne Zeugen.
Freiheit ist zu wissen, dass niemand kommt, um dich zu retten.
Und dennoch zu handeln.
Ihr habt euch einem Imperator unterworfen,
damit er für euch trägt, was ihr nicht tragen wollt.
Wir haben ihn abgelehnt,
weil wir nichts tragen lassen.
Nennt uns Verräter.
Nennt uns Schatten.
Nennt uns Feinde der Ordnung.
Wir haben uns selbst einen Namen gegeben:
Frei.
Und das ist etwas,
das ihr niemals vergeben werdet.